Fütterung (Sommer und Winter) und Überprüfung der Futter-Vorräte

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Fütterung (Sommer und Winter) und Überprüfung der Futter-Vorräte


Praxis aus dem Themenbereich: Gute imkerliche Praxis/Bienenvölker überwintern

Die Inspektion und Bewertung der Futtervorräte ist abhängig von der Jahreszeit, aber unerlässlich. Ist nicht genug Futter im Bienenvolk vorhanden, so läuft Gefahr, dass die Bienen verhungern. Das kann je nach Standort und Wetterlage auch während der Saison passieren, ist aber insbesondere im Herbst/Winter ein Thema. Der Imker/die Imkerin trägt Sorge dies durch regelmäßige Kontrollen zu vermeiden und gegebenfalls mit Futtergabe zu reagieren. Die Futterkontrolle im Winter wird einmal pro Monat empfohlen.

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Inspektion der Futterwaben und Bewertung der Futtervorräte

Grundsätzlich gilt: Faktoren wie die Größe des Volkes, die Jahreszeit und die Verfügbarkeit von Trachtpflanzen in der Umgebung sind bei der Bewertung der Futtervorräte wichtig. Zur Bewertung gibt es 3 Methoden: das Anheben des Stocks (erfordert viel Erfahrung), technische Hilfsmittel wie Kofferwaage, oder Stockwaage und das Öffnen des Volkes und die Abschätzung der Vorräte.

Bienen sollten niemals hungern, sondern immer aus dem Vollen schöpfen können. Honigverfälschung ist unbedingt zu vermeiden, daher niemals während der Tracht, oder kurz vor Trachtbeginn zufüttern – früh in der Saison ist am Besten.

Kofferwaage: an die Kofferwaage kann z.B. eine Vorrichtung aus Karabiner und Holzstück angebracht werden. Man öffnet den Boden von hinten, klemmt das Holz ein, hebt den Stock 1-2 cm vom Boden ab und rechnet das Gewicht mal 2.

Stockwaage: im Dauerbetrieb. Man stellt das gesamte Volk auf die Waage. Diese ist meist digital und mit einer Software verbunden. Dort kann man die Aufzeichnungen ablesen.

Während der Bienensaison: am Beispiel öffnen des Volkes: ein Hilfsmittel wäre ein Rähmchen mit Drahtraster (Schätzrahmen). 1dm2 beidseitig verdeckeltes Futter entspricht dabei einer Menge von 300 g. Man hält den Rahmen an jede Wabe im Volk und schätzt so anhand des Rasters die Futtermenge ab.

Einfüttern für den Winter (mit Waage): Verwendet man eine Stockwaage oder auch einfache Kofferwaage, so ist es ratsam nach der Honigernte (= vor dem Einfüttern), direkt nach dem Einfüttern und im monatlichen Rhythmus zu wiegen.

Winter: Während der Winterruhe ist es tabu Waben zu ziehen, auf denen sich Bienen, oder Brut befinden. Eine Beschau von oben ist das Mittel zur Wahl, um das Volk nicht zu stören. Es ist bekannt, dass Bienen in der Wintertraube verhungern können, auch wenn mit Futter gefüllte Waben zur Verfügung stehen, diese jedoch weit vom Volk entfernt sind. Im Winter braucht ein Bienenvolk ca 2-3 kg Futter pro Monat (je nach Bienenmasse und Wetter). Das entspricht ca. 1,5 bis 2 volle Waben im Zandermaß. Oder ca. 18 kg gesamt. Sieht man bei der Beschau von oben, dass die Waben angrenzend an die Wintertraube gefüllt mit Futter sind, dann ist die Menge vorerst ausreichend – die Zellen am oberen Rand der Rähmchen sind gefüllt. Sind diese leer, Nachbarwaben aber voll, dann sollte man sich überlegen zu agieren. Sind die meisten Waben leer, muss man notfüttern.

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Ergänzung der Futtervorräte – Zuckerwasser

Falls die Futtervorräte knapp sind oder zur Neige gehen, ist es notwendig, die Bienen zu füttern, um einen Nahrungsmangel zu vermeiden. Bereiten Sie das Zuckerwasser im Frühjahr/Sommer (während sich die Bienen noch im Bautrieb befinden) im Verhältnis 1:1 (1 l Wasser und 1 kg Zucker) und danach bzw. im Winter im Verhältnis 2:3 (2 l Wasser und 3 kg Zucker) oder andere Fertig-Futtermischungen vor und füttern Sie die Bienen entsprechend den Bedürfnissen des Volkes.

Platzieren Sie Fütterer oder Futtersirupbehälter im Bienenstock, damit die Bienen leicht auf das zusätzliche Futter zugreifen können.

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Ob Ihre Bienenvölker genügend Eiweiß in Form von Pollen haben, hängt von dem Gebiet ab, in dem sie stehen. Möglicherweise gibt es nie einen Mangel. In einigen Gebieten kann es jedoch im Frühjahr, nach der Frühjahrstracht und/oder nach der Sommertracht ein Problem geben, wenn im Vergleich zur verfügbaren Pollenmenge viel Brut vorhanden ist. Solange etwa zwei volle Rähmchen auf jeder Seite mit Pollen gefüllt sind (Zandermaß), ist alles in Ordnung. Der Pollen befindet sich normalerweise zwischen der Brut und dem gespeicherten Nektar, aber selten sind die Zellen gleichmäßig mit Pollen gefüllt. Es gilt also zu schätzen, wie viele Rähmchen mit Pollen im Bienenstock insgesamt vorhanden sind, indem man alle Pollen enthaltenen Rähmchen zusammenzählt. Wenn zu wenig Pollen vorhanden ist, können Sie zusätzlich füttern. Wenn die Pollenverfügbarkeit über einen längeren Zeitraum problematisch ist, sollten Sie in Erwägung ziehen, Ihre Bienen in ein besseres Trachtgebiet zu wandern.

Ergänzung der Futtervorräte – Pollen

Pollen kann ergänzt werden, indem man handelsüblichen Eiweißteig in den empfohlenen Mengen (eventuell während der Winterfütterung) über die Rähmchen gibt oder ihn selbst herstellt. Es gibt verschiedene Rezepte, aber die Basis ist meist Sojamehl, Bierhefe und Magermilchpulver. Bieten Sie aber immer nur eine Handvoll an, wenn Sie den Eiweißteig selbst herstellen. Wenn der Teig länger als drei Tage ruht, kann er schimmeln. Wenn in der Umgebung ohnehin genug Pollen vorhanden ist, lassen die Bienen den Eiweißteig stehen!

Ein Rezept von Sjef van der Steen (WUR, 2005) lautet:

3 Teile fettfreies Sojamehl

2 Teile Bierhefe

3,2 Teile Kalziumkaseinatmehl

0,8 Teile Molkenproteinmehl

10 Teile Zuckerwasser (1 kg Zucker pro L Wasser)

2 Teile Leinsamenöl

Ein einfacheres Rezept von Haydak (Minnesota, 1967) lautet:

3 Teile Sojamehl

1 Teil Bierhefe

1 Teil Magermilchpulver

Diese Rezepte können als Pulver im Freien gefüttert werden (vor Regen geschützt). Tun Sie dies weit entfernt von einem Bienenstock, um Räuberei zu vermeiden. Sie können auch einen Teig daraus machen, indem Sie Zuckerwasser untermischen, bis Sie die gewünschte Konsistenz erreicht haben: formbar genug, aber nicht zu flüssig, damit nichts in die Wabengassen rutscht.

Der Pollenteig wird auf die Rähmchen gelegt.

Egal ob Pollenteig, oder Zuckerteig. Die Anwendung ist die Selbe:

Der Teig wird auf das Rähmchen gelegt.
© LEONIDAS CHARISTOS
Der Teig (egal ob Zucker- oder Pollenteig wird aus der Verpackung von den Bienen aufgefressen
© LEONIDAS CHARISTOS
Die Bienen können z.B. mittels Smoker aus der Verpackung vertrieben werden.
© LEONIDAS CHARISTOS

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